Annabell Stübe
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Annabell Stübe
A-6844 Altach, Mühlbachstrasse 14
05576/76 034

annabell(at)annabell.org
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Biografie

Geb. 1973 in Altach, A.

Fasziniert von ihrer Einzigartigkeit, ist es seit Beginn ihres fotografischen Schaffens immer wieder die Natur, die ihre Arbeiten prägt. So entstanden über einige Jahre Makroaufnahmen von Blüten, Blättern und Blumen - bildfüllende Details.

In den letzten Jahren hat sie sich dem Thema Bäume gewidmet. Mit Hilfe einer analogen Mittelformatkamera entstanden bewegte Bilder in schwarz/weiß.

Annabell Stübe fotografiert ausschließlich in der freien Natur ohne künstliche Lichtquelle.

Mit "treemotion" zeigt Annabell Stübe bewegende Fotografien von Bäumen und Baumgruppen. Der Baum als Symbol für verwurzelt sein, für die Urkraft und Ruhe. In ihren Fotografien ist es ihre eigene verzögerte Bewegung die bewegt. Bäume und Baumgruppen beginnen zu tanzen. Neue Ansichten, neue Bilder entstehen und die Erkenntnis, dass auch Entschleunigung bewegt.

treemotion

Erreicht eine kritische und daher wirksame Menge bestimmter Reizstimuli eines Werks auch tatsächlich einen Betrachter, so herrscht ein Idealfall der Kunstrezeption vor. Auf dem Nährboden konzeptioneller oder wahrnehmungsbezogener Impulse keimt dann das Interesse und führt zu Fragen, die als gespeicherte Widerstände mitunter gut, unbestimmt oder gar nicht beantwortet werden wollen.

Angestachelt durch diese Fragen, die sich wie Kletten verfangen, beginnt der Wahrnehmende - vielleicht nach einem formalästhetischen Scan - die Suche nach dem künstlerischen Bewusstsein und der Haltung, die hinter der zweidimensionalen Oberfläche verborgen sind.

In der Fotografie sind die Spuren zum gestalterischen Willen aufgrund der medialen Filter stärker verwischt als beim gemalten oder gezeichneten Bild.
Manchmal reicht jedoch ein zweiter Abzug oder eine kleine Sequenz, und das Potenzial oder die Grenzen subjektiver Handschrift hinter der Kamera werden spürbar.

Im vorliegenden Werk scheint der Trampelpfad von Wald- und Wiesenkunst in mehrerlei Hinsicht verlassen. Annabell Stübe filtert, wie bereits in früheren Arbeiten, ihren fotografischen Aktionsradius. Thematisch trifft das zu für die Beschränkung auf das Motiv der Baumstämme. Der Blick in den Buchenwald verliert sich nicht in anekdotischen oder romantisierenden Details. Vielmehr verdichten sich die geradlinigen Stämme zu einem Strukturfeld, in dem es möglich wird, die Erfahrung von Natur neu zu reflektieren. Formal geschieht die Reduktion durch die bewusst eingesetzte Unschärfe und die Übersetzung von Farbe ins schwarzweiß. Die Verschiebung in das grauskalierte Spektrum stützt die sachliche und doch aus meiner Sicht vielschichtige Qualität der Bilder, in denen emotionsgeladene Farbigkeit vielleicht zu vordergründig wirksam sein könnte.

Mit der unscharfen Wiedergabe von Natur scheint das Medium der Fotografie sich selbst in seiner autoritätsstiftenden Abbildfunktion untreu zu werden. Doch der getrübte Blick entspricht eigentlich viel eher der Realität als die Schärfe. Selbstverständlich stimmt dies für den Raser auf der Autobahn, für den sich die Wirklichkeitsimpulse am Rande seines Gesichtsfeldes zum diffusen Brei verschmolzener Farben und Formelemente verdichten. Aber das verschwommene Bild ist sogar im Allgemeinen mit unserer Erfahrung von Welt vergleichbar. Das Seherlebnis ist geprägt von einem subjektiv bewegten Auge - einem Objektiv, das die Landkarte gemäß seiner Interessen absucht.

Verfängt sich der Blick, so erfolgt die Scharfstellung.

Diese ist gravierend bedingt von der Distanz des Betrachters. In den seit 1998 entstandenen Makroaufnahmen zerpflückt die Künstlerin durch die Nahansicht die Schönheit der Blumenpracht. Diese Fotografien (oder auch Stübes Bilder von beleuchteten Objekten) sind ein Beleg dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Distanzphänomen zu einer paradoxen Sicht auf die Welt führen kann.

Bezogen auf die Natur offenbart sich die strukturelle Verwandtschaft des Kleinen und Großen: Haare werden unter dem Mikroskop zu Wäldern oder Bakterienkulturen zu Galaxien.

In der Betrachtung der Baumstämme verbinden sich Fragen der Gestalttheorie mit denen des Wahrnehmungstempos. Die gestaffelte Ordnung der Linien generiert eine klare Ordnung. Dieses Feld, diese Struktur gibt Halt, sie beruhigt, entschleunigt die Bilddynamik.

Verlangsamung ja - Stillstand nein, weil gerade die Unschärfe auch Bewegung in sich trägt.

Auch das vorliegende Druckwerk, mit seiner festen Bindung und dem harten Rücken, stellt den Anspruch klar. Genauso wie mit der Fotografie auf Barythpapier und der Arbeit mit der Hasselblad-Kamera, so wird auch hier formal auf Dauerhaftigkeit gesetzt. Das atmosphärische Bild des Waldes ist für die nächsten hundert Jahre eingefangen, festgehalten und gespeichert.

Im Arbeitsprozess zwingt dabei gerade auch die analoge Mittelformatkamera, mit der die Künstlerin nunmehr seit vier Jahren arbeitet, zu einem Bewusstsein, dem schnelllebige Schnappschussqualität oder das Reframing von Ausschnitten grundsätzlich widerspricht.

Jedes Detail der Wirklichkeit wird in der Perfektion belassen, die es in sich trägt. Die Kunst von Licht und Blende überträgt die Empfindung von Welt in Stübes Bildsprache.

Aus den genannten Parametern, die das konditionierte Natur-Sehen und Natur-Erleben auf ein neues Niveau heben, resultiert eine selbständige und zugleich individuell deutbare Art von Natur-Abbildung.
Der Wald spiegelt hier keineswegs eine unreflektierte Akkumulation beliebiger Impressionen, sondern er ist diesmal ein Rohstofflieferant der anderen Art. Deutlich wird, wie subtil die Feinabstimmung schwer fassbarer Impulse greift. Selbst der Blick in den Himmel erfährt in diesem Zyklus eine erstaunliche Erdung, die als Rückkopplung auf den subjektiven Blick hinter der Kamera und damit auf die Realität der Künstlerin verweist.

Die unter dem Titel treemotion zusammengefassten Arbeiten wollen nicht verstanden oder erklärt werden.

Als Katalysator der Wahrnehmung sind sie leicht zu aktivieren - mit den Worten von Annabell Stübe: "Drei Schritte zurückgehen und auf das zugehen, was dann passiert".

Ausstellungen:

2003 Galeria Es Moli, Ibiza, Spanien,

2003 Vorarlberger Landestheater, Bregenz, Österreich

2005 Ausstellung Foto AmBach 10,
in der Kulturbühne AmBach,
kuratiert von Christoph Kurzemann,
Galerie Kurzemann, Götzis, Österreich

2006 Jelenik & Partner, Vaduz, Liechtenstein

2006 Theater Kosmos, Bregenz, Österreich